PETTELKAU


Der nachfolgende Artikel ist erschienen im "Heimatbrief für den Kreis Braunsberg, 1999 , Nr. 12" und mit freundlicher Erlaubnis der Kreisgemeinschaft Braunsberg (Ostpreußen) e.V. veröffentlicht.

The following Pettelkau story is taken from the "Heimatbrief für den Kreis Braunsberg, 1999, No. 12", and printed at the Pettelkau/Pittelkau Internet Site with the permission of its editorial staff. [Kreisgemeinschaft Braunsberg (Ostpreußen) e.V.]


Der näherrückende Termin der Fertigstellung der im letzten Krieg zerstörten und nun wieder aufgebauten Kirche in Pettelkau gibt Anlass, die Geschichte des Ortes und der Kirche erneut ins Gedächtnis zu rufen.

Der Name geht auf eine altpreußische Feldgemarkung mit dem Namen Potilkow zurück. Die Schreibweise variiert zwischen Potilkow Puttelkow Pokilkow Pötilkow Petlekau Petelkeim. Ihre Lage wird umschrieben zwischen der Passarge und dem Braunsberger Stadtwald sowie zwischen Fehlau, Knorrwald und Tromp. Dieses Feld erhielt vor 1296 ein Deutscher namens Theoderich (Dietrich) von Bischof Heinrich I. Zur Besiedlung. Er nannte sich deshalb Theoderich von Potilkow. In dem Privileg für Tiedmannsdorf vom 12.09.1296 wird das Gut Potilkow genannt.

Theoderich hat wohl sogleich damit begonnen, hier Siedler anzusetzen, denn bereits am 04.04.1311 wird das Dorf Pötilkow erwähnt. Man kann auch davon ausgehen, dass er gleichzeitig eine kleine Pfarrkirche baute, denn die zugewiesenen Pfarrhufen machten die Absicht deutlich, dort auch eine Pfarrei zu errichten.

Die Söhne des Theoderich von Potilkow, Johannes und Tylo, haben vermutlich das Erbe ihres Vaters bald veräußert und sind nach Frauenburg gezogen. Dort sind sie 1320 als Bürger nachweisbar. Vermutlich gelangte Pettelkau wieder in den Besitz des Bischofs zurück. Johannes hatte die Tochter des Gründers von Frauenburg, Gerhard Fleming, geheiratet. Dieser wiederum war sowohl ein Bruder des Bischofs Heinrich I. Fleming wie auch des Gründers der Stadt Braunsberg, Johann Fleming.

Nach der Überlieferung war das Gebiet um die Passarge ein heidnisches Kultzentrum der prussischen Ureinwohner. Um die bekehrten Stammpreußen dieser Gegend in ihrem Glauben zu festigen, erschien es geboten, dem heidnischen Kult ein christliches Heiligtum entgegenzusetzen und die Anziehungskraft der alten Opferstätten auf einen gottgeweihten Wallfahrtsort hinüberzuleiten. Um diesem christlichen Wallfahrtsort ein höheres Ansehen zu geben und den Glanz des Gottesdienstes zu erhöhen, hat Bischof Hermann von Prag am 17.06.1341 ein Kollegiatstift zu Ehren aller Heiligen in der Nähe von Braunsberg gestiftet, das den Sitz in Pettelkau nahm. Die Ländereien von Pettelkau gingen auf das Kollegium der Kanoniker über. Sie blieben auch in deren Besitz, nachdem das Kollegiatstift bereits zwei Jahre später (30.10.1343) nach Glottau und 1347 endgültig nach Guttstadt verlegt wurde.

Die Kanoniker begannen sofort, an Stelle der bestehenden (hölzernen) Kirche, ein den Zwecken des Chorgottesdienstes wie auch der Wallfahrer Rechnung tragendes massives Gotteshaus zu bauen. In 2 Jahren errichteten sie zuerst den Chor der neuen Stiftskirche. Es ist die Kirche, die wir kennen und die heute wieder vollendet wird.

Hier zeigt sich die gleiche Vorgehensweise wie bei der Frauenburger Kathedrale, wo auch zunächst deren Chor gebaut und geweiht wurde. Man kann mit Recht sagen, dass die Kirche in Pettelkau zu den allerältesten Kirchen des Ermlandes zählt, wenn auch die erste urkundliche Erwähnung erst 1405 zu finden ist. Damals war sie bereits Tochterkirche von Schalmey. Der Pfarrer Nikolaus Neue beklagte sich beim Offizial in Frauenburg über ein Mitglied des Kirchenvorstandes der Filialkirche wegen unbefugter Einsammlung von Kollekten.

Mit der Verlegung des Kollegiatstiftes nach Glottau entfiel die Notwendigkeit, das projektierte breite Langschiff zu bauen. So blieb der allein fertige Chor der Kirche bestehen und wurde durch den Bau des Turmes abgeschlossen. Die geringe Zahl an Gläubigen rechtfertigte zu diesem Zeitpunkt nicht, in Pettelkau eine eigene Pfarrei zu gründen. Vielmehr wurde Pettelkau nach Schalmey als Filialkirche zugewiesen. Um aber in ihren Rechten über Dorf und Kirche Pettelkau nicht behindert zu werden, erwirkten die Kanoniker (Stiftsherren) zugleich die Inkorporation der Schalmeyer Pfarrkirche in ihr Kapitel. Somit blieb vorerst die seelsorgliche Betreuung von Pettelkau in den Händen der Stiftsherren.

Nach der abermaligen Verlegung des Stiftes von Glottau nach Guttstadt begründete das Kapitel am 10.07.1361 im Dorfe Pettelkau ein Schulzenamt, das es davor nicht gegeben hatte. Jedoch einen Krug gab es bereits im Dorf.

Die weite Entfernung Guttstadt und Pettelkau ließ es dann doch ratsam erscheinen, nach neuen Lösungen zu suchen. Schließlich trennten sich die Kanoniker von Pettelkau und erhielten am 09.09.1378 im Tausch die Dörfer Lindenaw (Lingnau) und Wurlauken (Warlack), die für sie günstiger lagen. Damit wurde das Dorf Pettelkau wieder der unmittelbaren Herrschaft des Bischofs unterstellt.

Die Kirche in Pettelkau blieb Filialkirche der Pfarrei Schalmey. Das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle in Schalmey übte weiterhin bis 1810 das Kapitel des Kollegiatstiftes in Guttstadt aus. Als Patrozinien für die Kirche in Pettelkau gelten: die hl. Jungfrau Maria (Maria Geburt 08.09) und die hl. Margaretha (20.07). Die großen Kriege des ausgehenden 15. Jahrhunderts (Städtekrieg 1454-1466 / Pfaffenkrieg 1467-1479) alles Auseinandersetzungen zwischen Polen und dem Deutschen Orden, bei denen das bischöfliche Fürstbistum Ermland der Leidtragende war, und Machtansprüche des polnischen Königs gegenüber dem selbständigen Ermland hatten anscheinend den Ort völlig zugrunde gerichtet, weshalb Bischof Lucas Watzenrode eine neue Handfeste für Pettelkau ausstellte. Die gesamte Gemarkung zählte damals 44 Hufen, von denen vier Freihufen der Kirche und drei Freihufen dem Schulzen zugeteilt waren.

Der Reiterkrieg (1519-1525) zwischen dem Orden und Polen brachte Pettelkau abermals an den Rand des Verderbens. Fünf Bauernhöfe gingen damals ein. Bischof Hosius überwies 15 freie Hufen den Braunsberger Jesuiten zu ihrem Unterhalt. 1656 gehörten zu Pettelkau 29 Hufen mit fünf Bauern, einem Schulzen und einem Krug. Auf den 15 Hufen der Jesuiten wirtschafteten vier Nauern. In der Folgezeit hatten die schwedischen Truppen abermals schwer gewütet, so dass 16 Hufen verödet waren, ebenso acht Hufen der Jesuiten.

Als das Fürstbistum Ermland 1772 preußisch wurde, gab es in Pettelkau einen Schulzen und acht Bauern; ferner weitere fünf Bauern, die das Land des Jesuitenkollegs in Braunsberg bewirtschafteten. Daneben neun Eigenkätner (Gärtner) und sechs Instleute. Insgesamt lebten im Dorf 176 Einwohner, unter ihnen waren 56 Personen unter 12 bzw. über 60 Jahre. Im Jahre 1798 erhielt Pettelkau eine eigene Schule, in der anfangs acht Kinder unterrichtet wurden. 1893 wurde Pettelkau eine selbständige Pfarrei und schied somit aus dem Pfarrverband mit Schalmey aus.

Im Jahre 1939 hatte Pettelkau 488 Einwohner.